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Adel verpflichtet II

Veröffentlicht am 17.07.2020

 

Queen Elisabeth II

Momentan scheint sie uns menschlich doch sehr nahe zu stehen – Corona bricht aus, und die ständig im Rampenlicht stehende Queen sitzt zunächst alleine in Windsor Castle; ihr Ehegatte wird, in weiser Voraussicht ob der Länge dieser damals noch nicht so genannten Pandemie, zu ihr geflogen.

Ihr Premier geistert noch wie ein Irrlicht durch die Politik, da richtet sie schon, in seltener Ausnahme, das Wort an ihre Landsleute, um ihnen Mut zu machen. Selbstverständlich gibt es keinerlei Salut zum Geburtstag, zu einem sehr frühen Zeitpunkt wird auch trooping the colour, die offizielle Geburtstagsparade, von ihr abgesagt. So etwas gehört sich nicht.

Die Queen beherrscht die Familie, besser gesagt die ‚Firma‘, wie sie sich selber nennen mit strenger Hand. Sie arbeitet mit eiserner Disziplin.

 

Prinz Charles und Lady Diana
Ihr Sohn Charles heiratet in einer arrangierten Ehe eine junge Adlige; Lady Diana verkörpert angeblich alles, was eine Braut der Windsors vorweisen soll.
Gute Abstammung, gute Schulausbildung (in diesem Fall ohne Abschluss) mit dem absoluten Ehrgeiz, Mitglied der königlichen Familie zu werden. Ein adliger Verwandter beschreibt sie: "Wäre sie ein wildes Tier, so hätte ihre Beute wahrscheinlich keine Chance." (Lady Colin Campbell – Diana – S. 117, München 1992)

Und der Prinz hatte keine Chance; er entgeht ihren Avancen nicht.

Vor der Verlobung erfolgt eine gründliche körperliche Prüfung, um sicherzustellen, dass Diana bei guter körperlicher Gesundheit ist; bereit, Kinder zu gebären. Der Sinn der Untersuchung ist nicht, festzustellen, ob sie noch Jungfrau ist. Das war eine Erfindung der Presse. (a.a.0. S. 179)

Nach der Verlobung wurde Diana sofort unter die Fittiche der königlichen Familie genommen, was auch ungewohnte Überwachung bedeutete.

Die Öffentlichkeit wurde bewusst darüber getäuscht, dass Diana die Monate vor der Hochzeit bereits im Buckingham-Palast gewohnt hatte. (a.a.O. S. 212)

Bei der Hochzeit (1981) hatte sie ein romantisches Kleid an, elfenbeinfarben, nicht weiß; Zeichen dafür, dass sie keine Jungfrau mehr war.

Doch die Ehe begann sehr schnell zu kriseln: Charles ist kein treuer Ehemann, ein Ehekrieg tobt, und der Prinz kehrt 1986 zu seiner alten Jugendliebe Camilla zurück.

Die beiden sprechen kaum noch miteinander.

1992 erscheint das Buch über Diana, dessen Inhalt sie selbst unterfüttert: gegenseitige Untreue - eine Lawine bricht aus.

Die Devise heißt normalerweise: Gefühle werden nicht gezeigt, privater Kummer nicht öffentlich gemacht. Diana hatte in diesem Buch die königliche Familie angegriffen.
Das isolierte sie innerhalb derselben sofort, denn Adel verpflichtet.
Die Show hat weiterzugehen.

Die Zeiten ändern sich auch im Hochadel: Elisabeths Kinder lassen sich scheiden: Anne, Andrew, Charles.

1997 stirbt Diana und die Queen verhält sich in den Augen der Öffentlichkeit zunächst nicht comme il faut.

 

Bürgerliche Partnerinnen

Sehr langsam läuft die FA danach wieder an; für Charles gibt es ein Happy End mit Camilla, die Enkel kommen gut unter die Haube, mit bürgerlichen Ehepartnerinnen.

Als schließlich eine geschiedene Amerikanerin in die Familie einheiratet, scheint die Sippe in der realen Welt angekommen zu sein.

Indessen, es klappt nicht: Harry und sein Frau Meghan beanspruchen einen Sonderweg. Sie möchten gewissermaßen Kurzarbeiter in der FA sein und im Ausland leben. Die Queen hält dagegen: Royal darf sich nur nennen, wer seine Pflicht erfüllt. Harry und Meghan verlassen die royale Bühne, nicht unbedingt zur Freude Kanadas, die nun die Familie bewachen müssen.

Anfang 2020 spürt Prinz Andrew die harte Hand seiner Mutter.

Wochenlang stand er wegen seiner Freundschaft zu einem Sexualstraftäter im Fokus der Medien.

Nun muss er seine Ämter räumen.

Die Monarchie darf nur repräsentieren, wer die strengen Regeln befolgt.

 

Adel verpflichtet - immer.

 

© Text Ariane Niehoff-Hack, Frauen in der Einen Welt

Lady Colin Campbell – Diana, Droemerscher Verlagsanstalt Th. Knaur, München 1992