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Was Objekte erzählen – unterwegs ins Neue

Wir beginnen unsere Arbeit an einem neuen Ort, in neuen Räumen, mit veränderten Arbeitsweisen und bereichert durch die Erfahrungen eines großen Umzugs. Doch in diesem neuen Gebäude fangen wir nicht bei null an: Wir bringen unsere bisherige Arbeit, unser gewachsenes Wissen, unsere gesammelten Erfahrungen und natürlich unsere kostbaren Sammlungen mit, die wir über viele Jahre hinweg erweitert haben.

Einige dieser Objekte erzählen selbst von Übergängen: von Aufbrüchen, vom Mut zum Neubeginn – und manchmal auch von jenem Zauber, der jedem Anfang innewohnt.

Tontöpfe aus Westafrika

Diese Tontöpfe wurden um 1990 von Töpferinnen in Burkina Faso, Westafrika, hergestellt. Sie beeindrucken mit ihrer Eleganz, dem Volumen ihrer Kugelformen und der Kunstfertigkeit, das Material Ton von Hand aufzubauen.

Der besondere Zauber dieser Gefäße liegt in der Erfahrung, dass Speisen und Getränke ihren besten Geschmack entfalten, wenn sie in gebranntem Ton aufbewahrt werden.
Kleine Töpfe werden traditionell für Soßen oder Medizin verwendet, größere zum Beispiel beim Brauen von Hirsebier, dem sogenannten Dolo.

Töpferei und Dolobrauen sind in Westafrika traditionell den Frauen vorbehalten und gelten dort als weibliche Erwerbstätigkeiten.

 

Blaudrucktücher

Die Blaudrucktücher aus unserer Sammlung erzählen nicht nur von den Techniken des Textildrucks und -färbens, von Frauenkleidung vergangener Zeiten, sondern auch von verschiedenen Migrationsprozessen in Europa, vom Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen, von Lebensweisen, die zu Ende gehen beziehungsweise von deren Neubeginn.

Im Jahr 1990 führten drei Mitglieder unseres Vereins Frauen in der Einen Welt eine Feldforschung in mehreren deutschsprachigen Ortschaften Siebenbürgens in Rumänien durch, um die Lebensweise, besonders der einheimischen Frauen zu dokumentieren – zumeist Siebenbürger Sächsinnen und Landlerinnen.

Die Vereinsfrauen stießen auf verlassene Häuser und Höfe sowie auf nur wenige verbliebene Einwohnerinnen und Einwohner, die bereits ihren Umzug nach Deutschland vorbereiteten.

Die Gesprächspartnerinnen, meist ältere Frauen, berichteten über Bräuche und den Alltag in den Dörfern, die sie im Begriff waren zu verlassen.

Sie zeigten Fotos und erzählten von ihrer traditionellen Kleidung, die sie bis vor kurzem noch getragen hatten.

Die Frauen waren überzeugt, es wäre besser, ein neues Leben mit dem Tragen städtischer Kleidung zu beginnen, sich möglichst schnell in die neue Umgebung zu integrieren und nicht aufgrund der Kleidung als „anders“ erkannt zu werden.

Die Bestandteile ihrer Bauerntracht verkauften sie, oder vergruben oder verbrannten sie noch vor Ort, um damit zu verhindern, dass die Kleidungsstücke in unrechtmäßigen Besitz gelangen könnten.

 

Quilt Kaderimiz – Unser Schicksal

Dieses textile Gemeinschaftswerk entstand Ende der 1990er Jahre durch Frauen aus der Türkei, die mit Nadel und Faden ihre Reise von einem anatolischen Dorf nach Deutschland dokumentierten. Jede Stickerei erzählt dabei ein Stück ihrer persönlichen und kollektiven Erfahrung. Der Quilt erzählt vom Anfang eines neuen Lebens – aus der Perspektive derjenigen, die diesen Weg selbst gegangen sind.

Fünf Migrantinnen haben ihren Weg von der Türkei nach Deutschland auf Applikationen und Stickereien dargestellt. Auf diese Weise erzählen sie vom alltäglichen Leben in ländlichen Regionen, von Männern, türkische Migranten in Deutschland der ersten oder zweiten Generation, die gezielt in ihre türkische Heimat reisen, um dort eine Frau zu finden. Nach mehrtägigen Hochzeitsfeiern folgt der Umzug nach Deutschland und damit für die Frauen die Reise in ein neues, unbekanntes Leben samt Gründung einer Familie in einem neuen Land.

 

Foto 1: Töpfe, Burkina Faso, 1990. Sammlung "Frauen in der Einen Welt"

Foto 2: Blaudrucktücher, Rumänien, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sammlung "Frauen in der Einen Welt"

Foto 3Quilt Kaderimiz - Unser Schicksal, Deutschland, 1996. Sammlung "Frauen in der Einen Welt"

 

Impressum der Ausstellung

 

zur Ausstellung 2025 "Hört die Stimmen der Frauen"

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