© Elisabeth Schwanhäusser, Frauen in der Einen Welt
Widerstand statt Ruhestand - "OMAS GEGEN RECHTS“
Widerstand statt Ruhestand – unter diesem Leitspruch engagieren sich immer mehr Großmütter in ganz Europa aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen, Antisemitismus, Rassismus und jegliche Form von Diskriminierung.2.)
Sie nennen sich „OMAS GEGEN RECHTS“ und machen deutlich, dass der Ruhestand für sie nicht das Ende gesellschaftlichen Engagements, sondern vielmehr der Anfang einer neuen, besonders wichtigen Phase ihres Lebens bedeutet. In einer Welt, in der Demokratie und Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit mehr sind, setzen sich diese Frauen für die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder ein – mit Herz, Verstand und Beharrlichkeit.
Die Initiative „OMAS GEGEN RECHTS“ entstand 2017 zunächst in Österreich als Antwort auf den zunehmenden Rechtspopulismus und die öffentliche Verrohung der Sprache.
Rasch verbreitete sich die Idee im gesamten deutschsprachigen Raum und ist mittlerweile zu einem weltweiten Phänomen geworden. Ob in Polen oder Italien oder auch in den USA als Raging Grannies.3.) Inspiriert von persönlichen Lebensgeschichten und getrieben von der Sorge um die demokratischen Errungenschaften, organisierten sich Großmütter – und auch andere Menschen, die sich mit den Zielen identifizieren – in lokalen Gruppen. Sie vernetzen sich über soziale Medien, treffen sich zu Demonstrationen, Kundgebungen, Lesungen und Diskussionsrunden und treten als sichtbare, friedliche Kraft für eine offene Gesellschaft auf.
„OMAS GEGEN RECHTS“ sind vielseitig aktiv. Ihr Widerstand ist bunt, kreativ und friedlich. Immer wieder überraschen sie mit originellen Protestformen, die Aufmerksamkeit erregen und zum Nachdenken anregen.
Um einen konkreten Einblick in die Organisation einer „OMAS GEGEN RECHTS“-Gruppe zu bekommen, habe ich OMA Petra von der Ortsgruppe Erlangen zu den Themen Motivation, Aktivitäten und Struktur interviewt.
Im Interview erläutert OMA Petra von der Erlanger Ortsgruppe der OMAS GEGEN RECHTS ihre Beweggründe und das Engagement der Gruppe. Auslöser ihres politischen Engagements war der „Correctiv“-Bericht über Vertreibungspläne der AfD, die sie zutiefst empörten und zum Handeln bewegten.4.)
Seit März/April 2024 organisiert die Gruppe jede Woche zweistündige Mahnwachen auf dem Hugenottenplatz in Erlangen.
Ziel ist es, mit Passant*innen ins Gespräch zu kommen, über die Gefahren des Rechtsextremismus und speziell die AfD aufzuklären sowie aktuelle Themen durch themenspezifische Wachen und Quizformate aufzugreifen. Besonders erfreulich ist der Zuspruch junger Menschen, der die generationenübergreifende Wirkung des Engagements unterstreicht.
Gemeinsam mit der Initiative „AfD-Verbot jetzt“ schreiben sie Briefe an Bundestagsabgeordnete und unterstützen die Petition an den Bayerischen Landtag für ein AfD-Verbot. Darüber hinaus kooperiert die Ortsgruppe mit anderen Menschenrechtsinitiativen wie der Pride Week des CSD und dem Queeren Zentrum Erlangen.
Die OMAS GEGEN RECHTS sind bundesweit als Verein mit Sitz in Frankfurt organisiert. Die regionalen Gruppen wie in Erlangen sind lose organisiert und nutzen bundesweite Fortbildungen des Vereins. Soziale Medien setzen sie ein, um auf sich aufmerksam zu machen.
Herausforderungen gibt es insbesondere durch verbale Anfeindungen und einzelne gezielte Belästigungen. Da über jede Mahnwache, die beim Ordnungsamt angemeldet werden muss, die Polizei informiert wird, überprüft diese zu Beginn und Ende mögliche Vorfälle oder Bedrohungen.
Finanziert wird die Arbeit vor allem durch Kleinspenden und den Verkauf selbstgemachter Produkte, etwa auf der Erlanger Waldweihnacht.
Ihr Ziel: eine lebenswerte, demokratische Zukunft für Kinder und Enkelkinder – verbunden mit dem Wunsch, den eigenen Ruhestand in einer offenen Gesellschaft zu leben.
OMAS GEGEN RECHTS beweisen, dass gesellschaftliches Engagement keine Frage des Alters ist. Sie zeigen, wie wichtig es ist, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für die eigene Familie, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Quellen:
Anm.1 zur Vorderseite: Aus dem Ausstellungskatalog „Gewonnene Jahre“, „Die neuen Großmütter“, Bertrun Jeitner-Hartmann, S. 90
2.) „Widerstand statt Ruhestand”, Gunda Krüdener-Ackermann. In: Franken-Magazin, Ausgabe November / Dezember 2024 | Politik & Gesellschaft (Artikelankündigung) (Artikel)
3.) „Widerstand statt Ruhestand”, Gunda Krüdener-Ackermann. In: Franken-Magazin, Ausgabe November / Dezember 2024 | Politik & Gesellschaft (Artikelankündigung) (Artikel)
4.) „Neue Rechte - Geheimplan gegen Deutschland“. Text und Recherche: Das CORRECTIV-Team Marcus Bensmann, Justus von Daniels, Anette Dowideit, Jean Peters, Gabriela Keller, vom 10. Januar 2024 (Artikel)
Foto © Elisabeth Schwanhäusser, Frauen in der Einen Welt
Text © Gabi Wille, Frauen in der Einen Welt