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Montag, 23.03.2020

Hallo Tagebuch,

heute ist es endlich so weit: Die geplanten Hamsterkäufe stehen an.

Wie du aus meinen letzten Einträgen weißt, schmieden wir nun schon seit mehreren Tagen Pläne, wo es am meisten zu holen gibt und wie wir am besten vorgehen.

Du fragst dich, was wir hamstern? Nun, wir haben die Organisation und unsere Recherche in mehrere Gruppen aufgeteilt, da ja alles innerhalb eines Wochenendes ausgearbeitet werden musste. Ich habe mich mit dem Virus selbst beschäftigt und nach langer Suche lag das Ergebnis klar auf der Hand: Nichts bietet einen besseren Schutz als eine deftige Portion Nudeln mit einer lecker Hefe-Klopapier-Soße. Und falls das Virus auch auf das Grundwasser übergreift, werden auch gleichmal noch ein paar Fläschchen Wasser mitgenommen.

Folglich unsere Einkaufsliste:

Hefe, Klopapier, Nudeln, Wasser,
1 Packung Weingummis (das war die Bedingung meiner kleinen Schwester, dass sie mithelfe)

Der Plan steht, die Ziele sind ausgesucht, der Lastwagen gemietet und auch unser Hamster Otto, der bei einem Hamsterkauf nun wirklich nicht fehlen darf, ist bereit.

Da um sieben Uhr die Läden öffnen, müssen wir uns um 6:30 Uhr fertig machen. Glücklicherweise haben wir uns nach langer Beratung dagegen entschieden, den Lieferwagen noch vor Ladenöffnung zu überfallen (sonst hätten wir noch früher los gemusst).

Nachdem alles im LKW verstaut ist und auch wir unsere Schutzkleidung, die der eines Raumanzuges in nichts nachsteht, angezogen haben, geht es endlich los.

Um 6:55 Uhr stehen wir dann, jeder mit zwei Einkaufswägen bewaffnet, vor der Ladentür und warten darauf, dass das Personal endlich aufschließe.

Dann, um 7:03 Uhr kommt endlich eine hochgewachsene Dame mit Mundschutz, einem Kaffee und einem Schlüssel in der Hand in den Eingangsbereich. Wenn sie geahnt hätte, dass sich ersterer wenige Sekunden später über ihren Körper ergießen wird, hätte sie ihn sicherlich in ihrem Kabuff gelassen. Stattdessen schimpfte sie uns etwas von Schadensersatz und "nächstes Mal besser aufpassen" hinterher, aber ich meine, auf solche Kleinlichkeiten kann man in solch einer Situation nun wirklich nicht Rücksicht nehmen.

Der Rest unserer Einkaufsrunde verlief problemlos, wenn man mal von den irritierten Blicken der anderen Menschen und den unter den Hefe-Wasser-Nudel-Bergen wohl irgendwie verlorengegangenen Weingummis meiner Schwester absieht.

Und wir scheinen auch schon die Ersten mit unserer Theorie überzeugt zu haben.

Zumindest gab es nun auch schon in anderen Supermärkten Hamsterkäufe von Hefe, Nudeln und Toilettenpapier. Apropos Hamster. Wo ist eigentlich Otto? Wir werden ihn doch nicht im
 
Supermarkt… Ich werde ihn mal suchen gehen!

 

Bild © Nelli Wolf
Text © Felix Hinkelmann

 

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