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"Making Her Mark"

Veröffentlicht am 29.10.2021


“Was lange währt, wird gut” - und so konnte am 29. September nach zweijähriger, intensiver Vorbereitungszeit die Ausstellung ‘Making Her Mark’ in Fürths schottischer Partnerstadt Paisley eröffnet werden.

Die Präsentation 12 großformatiger Fahnen war ein eindrucksvolles, kreatives Gemeinschaftsprojekt mehrerer Organisationen und Einzelpersonen: KAIROS Women+, Recovery Across Mental Health (RAM) und der Glasgow Women’s Library (begleitet von der lokalen Sozialhistorikerin und Künstlerin Lil Brooks).

Im Sommer 2019 trafen sich die Gruppen zum ersten Mal, um sich auf die Suche nach zum großen Teil unbekannten ‘Heldinnen’ der Stadt Paisley und des Bezirks Renfrewshire zu begeben: Wer waren sie, wo finden sich heute noch ihre Spuren und in welcher Form werden sie gewürdigt, erinnert man sich ihrer?
Wie stellt sich das Leben aller Frauen in ihrer Stadt und ihrem Landkreis dar?

Die Organisatorinnen wollten mit diesem Projekt die teilnehmenden Frauen darin unterstützen, neue Fähigkeiten zu erwerben (historische Recherche), Biografien lokaler Frauen zu entdecken, um diese für eine  Ausstellung aufzuarbeiten.
 


Neben der legendären Jane Arthur, Aktivistin für Frauenrechte und ersten gewählten Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde von Paisley (1873), wurden auch Beiträge von weniger bekannten historischen und modernen Schriftstellerinnen und Künstlerinnen dargestellt.

So die Biografie von Marion Bernstein (1846-1906). Geboren in London, verbrachte sie den Großteil ihres Lebens in Glasgow/Renfrewshire. Neben Klavierunterricht verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Beiträgen für die Glasgow Weekly News and Weekly Mail. Ungewöhnlich für ihre Zeit, erhielten ihre kontroversen Veröffentlichungen als "radikale Feministin" große Aufmerksamkeit, wie ihr berühmtestes Gedicht ‘Wanted: A husband’ - ein Appell für mehr Rollengleichheit in der Ehe. Lebenslange körperliche Beschwerden schränkten ihre Schreibtätigkeiten ein. Dennoch machte sie als Schriftstellerin Karriere - ungewöhnlich für die damalige Zeit.

Jean Adam (1704) Schicksal war weniger glorreich. Leiterin einer Grundschule in Cartsdyke, Renfrewshire, veröffentlichte sie als eine der ersten schottischen Dichterinnen, noch während ihrer Lebenszeit, einen eigenen Gedichtband. “There’s Nae Luck about the House”; das von ihr verfasste Lied, bezeichnete der schottische Nationaldichter Robert Burns als “eins der schönsten Lieder der schottischen Sprache”. Dennoch wurde das Urheberrecht an ihrem Lied lange in Frage gestellt, und ihre Gedichte fanden keinen Absatz. 1865 verstarb sie völlig mittellos im Armenhaus von Glasgow.

Unter den bekannten, zeitgenössischen Frauen ist Chloe Nalwoga. 2006 kam sie als zehnjährige mit ihrer Familie aus Uganda nach Renfrewshire. Ihre Mutter hatte große Angst vor rassistischen Übergriffen und hielt die Tochter deshalb meistens zu Hause. In der High School wurde sie wegen ihrer Aussprache verspottet, mit der schottische Umgangssprache hatte sie Probleme. Ihr Rückzugsgebiet war das Kunstatelier der Schule. “Statt Freundschaften zu schließen, habe ich gemalt” - und sie erreichte viel damit. Nach einem erfolgreichen Studium als Textildesignerin spezialisiert sie sich auf Textilentwürfe für Innendekorationen. In ihrer Kunst verbindet sie das berühmte Paisley Muster mit afrikanischen Elementen, um ganz bewusst beide Seiten ihrer kulturellen Sozialisation zu betonen. 2019 wurde Chloe Nalwoga bei der ‘Surface Design Awards Show’ in London mit dem ‘New Talent of the Year’ Preis ausgezeichnet.

Paisley ist stolz auf eine weitere berühmte Bürgerin, die jüngste Parlamentsabgeordnete im Londoner Unterhaus, Mhairi Black. Mit 20 Jahren wurde sie 2015 von der Scottish National Party gewählt und 2017 zum zweiten Mal bestätigt.

 

Chloe Nalwoga


Inspiriert wurde das Frauen - Erinnerungsprojekt "Making Her Mark” durch die Ausstellung ‘Wie weiblich ist die Stadt’ unseres Museums 2018, die von Morag Smith, Vertreterin der Glasgow Women’s Library, zur Eröffnung besucht wurde.

Damals war es uns u.a. ein Anliegen, die Biografien der nach Frauen benannten Straßen in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Eine Idee, welche in ‘Making Her Mark’ aufgegriffen wurde. So konnten die Besucher*innen ihre eigenen Vorschläge für eine Neubenennung, bzw. Umbenennung von Straßenschildern einbringen.

KAIROS Women+ ist eine gemeinschaftsbasierte Organisation, welche Frauen und non-binäre Menschen zusammenbringt. Sie bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen und Workshops an, berät relevante Gruppen, um ihnen eine Stimme auf lokaler Ebene zu geben.

RAMH unterstützt Menschen in ihrer Genesung von psychischen Krankheiten und befähigt sie, ein unabhängiges, erfülltes Leben zu führen.

Nach dem 14. Oktober wird die gut besuchte Ausstellung in Johnstone, Renfrewshire, in der Glasgow Women’s Library sowie im wieder eröffneten Museum von Paisley gezeigt werden.

 

Ausstellung in Fürth 2018
"Wie weiblich ist die Stadt? Fürth und die Partnerstädte"

 

 

© Text: Michaela Schneider, Frauen in der Einen Welt - Oktober 2021
© Fotos: Glasgow Women's Library/Melissa Mitchell

 

Quellenangaben:
Teilweise Adaption der Texte der Ausstellungsfahnen,
KAIROS CHRONICLE, Ausgabe vom April 2021
Einladung zur Eröffnung
Frauen in der Einen Welt, Katalog 2018

Es gab auch einen Bericht in der Paisley Daily News: Beitrag in der Druckausgabe vom 5.Oktober 2021

 

 
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