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"Um den Kopf herum" - Kopftuchkulturen

Veröffentlicht am 19.08.2022

Franken 1985, Forchheimer Tracht: Das Kopftuch ist fester Bestandteil der Tracht. Die Abbildung zeigt das weiße „Hörnertuch“ der historischen Tracht und das gestickte Festtagstuch, wie es vereinzelt noch bis Ende des 20. Jh. getragen wurde. Es wird „aufg‘setzt“ d.h. nach hinten gebunden getragen. Inzwischen wird die Tracht nur noch bei besonderen Anlässen, wie kirchlichen Festtagen oder Prozessionen aus der Truhe geholt und ist nicht mehr Bestandteil der Alltagskleidung.

 

Panama - Kuna Yala, 1995:
„Die Vorfahren sagten, bevor die Sonne aufgeht, müssen die Männer und Frauen der Kuna aufgestanden sein, sich baden und den Kopf bedecken. Da die Sonne bei ihrem Lauf alle Probleme der Welt zu sehen bekommt, alle Krankheiten sieht und alles Böse, strahlt sie dies wieder ab, wenn sie auf die Menschen scheint. Deshalb sollen Männer und Frauen der Sonne nicht unbedeckt entgegentreten.“

 

Tschad, 1995
"Pagne" ist ein dreiteiliges Kleidungsstück. Es besteht aus Wickeltuch, Kopf- und Schultertuch. Es gehört traditionsgemäß zur Grundausstattung der Garderobe der muslimischen Frauen im Tschad. Doch auch christliche Frauen tragen Tücher zum Schmuck oder gegen die sengende Sonnenhitze.

 

Burkina Faso, 1996
Je nach Alter und Akzeptanz der althergebrachten Sitten pflegen die Frauen einen sehr unterschiedlichen Umgang mit Kopftüchern, junge Mädchen verzichten ganz darauf. In der Wahl der Tücher und der Bindetechniken sind muslimische Frauen nicht von christlichen zu unterscheiden.

 

Nigeria, 1996
Fantasievolle Bindung des Kopftuchs einer Igbo Frau in Nigeria.

 

Anatolien, 1986
Je nach Alter und Anlass binden die Frauen ihre Tücher unterschiedlich. Alte Frauen zeigen ihre Haare gar nicht. Sie verwenden zwei Tücher, sodass sie diese sehr fest um die Stirn binden können.

 

Kasachstan, 1999
Der Kimeschek ist eine wichtige traditionelle Kopfbedeckung, seit sich im 12. Jh. der Islam in der Region verbreitete. Er besteht aus zwei Teilen, einem Tuch, das Kopf, Hals und Schultern bedeckt, und darauf wird eine Kappe gesetzt.

 

Taquile, Peru, 1988
Frauen und Männer von Taquile sind sehr stolz auf ihre traditionelle Kleidung. Die Webstücke bergen in Herstellungstechnik, Qualität und Symbolen viele Erinnerungen an vorspanische Kulturen. Gleichzeitig sind sie Produkt des Einflusses der spanischen Eroberer, ihrer Moden und Kleidungsvorschriften. Ungefähr mit sechs Jahren beginnen die Mädchen, Chukos zu tragen. Eine taquileñische Frau geht nie unbedeckt aus dem Haus.

 

Herrmannstadt, Rumänien, 1991
Landlerin auf dem Markt in Herrmannstadt. Die im 18. Jh. eingewanderten Landler bewahrten sich bis in die 1980er Jahre ihre altösterreichische Eigenständigkeit in Tracht, Mundart und Lebensweise.

 

Tuch und Bindungsart in der Region Lago Atitlan, Guatemala, 2001

 

Sisin, ein Dorf in Hakkari, Kurdistan, Türkei, 1982
Hals und Wangen sollen nicht gezeigt werden. Für die Frauen sind die Farben ihrer Bekleidung sehr wichtig: Wenn es eine Hochzeit gibt, sind die Farben der Kleidung aller Frauen – auch der Gäste – orange, rot, weiß oder gelb.

 

Midoun, Djerba, Tunesien, 2017
Safseri, traditoneller Umhang, der von älteren Frauen getragen wird.

 

Fotos und Text: © Frauen in der Einen Welt e.V.

© Dieser Artikel (mit Fortsetzung in den folgenden blogs) wurde für den Ausstellungskatalog in Novi Sad geschrieben und dort in serbischer Sprache veröffentlicht.
Lisl Bala, Gaby Franger, Tijana Jakovljević Šević, Oko glave: Različiti diskursi marate kao kulturnog označitelja, Marama kao kulturni označitelj, Katalog der Ausstellung, Novi Sad 2022.

[Diskurse um die Bedeutung des Kopftuchs]  [Mein Kopftuch]  [Kopftuchkulturen]  [TEXTILE TECHNIKEN] [Die Kunst der Frauen]  [Sticken für die fränkische Tracht]  [Das Kopftuch in der Mode]  [Bedecken - Nicht Bedecken. Konstrukte der Weiblichkeit]  [Resümee]

Ausstellungskonzept Novi Sad 2022
"Um den Kopf herum" Elisabeth Bala, Gaby Franger, Tijana Jakovljević-Šević, mit einem Beitrag von Lale Yalçın-Heckmann
Diese Ausstellung basiert auf den Ausstellungen von Frauen in der Einen Welt:
Das Kopftuch. Nur ein Stückchen Stoff in Geschichte und Gegenwart 1986 und Kopftuchkulturen 2006 (Meral Akkent, Elisabeth Bala, Gaby Franger, Marie Lorbeer)

mehr im blog "Ausstellung Novi Sad Mai/Juni 2022"

 

weiter zur Ausstellung 2006 "Kopftuchkulturen"